Häufig gestellte Fragen

Was ist REMID?

REMID steht für „Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V.“. REMID ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Marburg und ca. 130 Mitgliedern (Stand 2017). Ein gewählter Vorstand repräsentiert den Verein, bestehend aus drei Vorsitzenden und bis zu drei Beisitzer_innen. Einmal jährlich findet eine Mitgliederversammlung statt. Ein wissenschaftlicher Beirat garantiert die Einhaltung wissenschaftlicher Maßstäbe und Kriterien.

Was ist Religionswissenschaft?

Im Unterschied zu den Theologien der Religionen ist Religionswissenschaft eine empirische Gesellschaftswissenschaft, deren Methoden sich aus insbesondere philologischen und sozialwissenschaftlichen Disziplinen speisen (unter Einschluss von Religionsethnologie und Religionspsychologie). In unserer Satzung (§2) steht: „Religionswissenschaftlich arbeiten heißt, eine Religion oder religiöse Gemeinschaft empirisch und historisch-wissenschaftlich zu erforschen, Aussagen und Ergebnisse werden unabhängig von religiösen Anschauungen und Überzeugungen erstellt“. Das dabei satzungsgemäße Ziel, „ein friedliches und tolerantes Zusammenleben der Menschen und der verschiedenen Religionen“ zu befördern, ist neben einer allgemeinen Orientierung an den Vorgaben der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW) der Ausgangspunkt für Überlegungen, zum Beispiel diskriminierende Elemente in Religionsbeschreibungen zu problematisieren oder einseitige Methoden, welche religiöse Urteile inkludieren, zurückzuweisen.

Wie unabhängig ist REMID?

REMID ist nicht konfessionsgebunden. Wir haben Mitglieder aus – soweit bekannt – unterschiedlichen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Auch ein Studium der Religionswissenschaft ist keine Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. Trotzdem müssen Vorstand und Beirat sicherstellen, dass die Vereinstätigkeiten der Satzung gemäß religionswissenschaftliche Ansprüche erfüllen. So werden z.B. Kurzinformationen über religiöse Bewegungen vor Erscheinen begutachtet und auch viele anderen Publikationen werden zuerst im Vorstand besprochen. Für die Leitung der Projekte sowie für einen Sitz im Beirat von REMID ist allerdings eine religionswissenschaftliche Ausbildung nötig. Es gibt Institutionenmitgliedschaften bei REMID. Von ehemals drei Religionsgemeinschaften, die einmal bei REMID Mitglied waren, ist nur die Deutsche Buddhistische Union übrig geblieben. Aus disziplinhistorischen Gründen dominieren allerdings zwei Themen unter den REMID-Mitgliedern (und entsprechend den REMID-Publikationen): Migration und Neue Religiöse Bewegungen. Seit dreißig Jahren begegnet daher REMID dem Vorwurf, eine „Kultlobby“ bzw. „Pro-Cult-Movement“ zu sein, obwohl es lediglich darum geht, mit wissenschaftlicher Nüchternheit auf das Phänomen religiöser Innovation zu blicken. Jünger sind Vorwürfe, ‚dem Islam‘ gegenüber zu ‚unkritisch‘ zu sein. Es ist eine Folge der Reflexion wissenschaftlicher Verantwortung, dass eher differenzierende Positionen überwiegen und Essenzialisierungen Absagen erteilt werden („das Wesen der Religion“ im Singular, „das Wesen des Islam“, „das Böse“ der „Sekten“).

Welche Vorteile bringt eine Mitgliedschaft für Religionswissenschaftler_innen?

Mitglieder können aktiv mitarbeiten, aber auch passiv per Mitgliedsbeitrag die Vereinstätigkeit unterstützen. Ehrenamtliche Mitarbeit ist aber auch ohne Mitgliedschaft möglich. Mitglieder erhalten die aufbereiteten Grafiken der REMID-Datenreihen kostenlos, ebenso unseren Rundbrief, wahlweise gedruckt oder als PDF. In unserer Mitglieder-Mailingliste werden sie bevorzugt angesprochen bei Anfragen. Zu diesen gehören u.a. auch Honorarvorträge, Buchprojekte, Rezensionsexemplare, Kinofreikarten etc. REMID-Mitglieder können unsere Gruppenleiterkarten für Jugendherbergen nutzen, bei für REMID interessanten Anlässen besteht die Möglichkeit einer Übernahme von Reisekosten. Bücher können bei REMID erscheinen. Es bestehen viele Möglichkeiten zu netzwerken. Es können eigene Projekte unter dem Dach REMIDs beantragt werden und Regionalgruppen gegründet werden. Interviews im REMID-Blog oder Kurzinformationen bei REMID zu einzelnen religiösen Bewegungen können unmittelbar zu Folgeanfragen zum Thema in Medien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft führen.

Ich habe so etwas zwar mal studiert, arbeite aber jetzt in einem ganz anderen Bereich. Wofür brauche ich REMID?

REMID kann immer für Fortbildungen gebucht werden, besteht in Ihrer Organisation, Ihrem Unternehmen, Ihrem Verein Bedarf und Interesse an einer Schulung zu religionsbezogenen Themen. Für Medien interessant ist nicht nur der von REMID betriebene Twitter-Nachrichten-Kanal, gerne vermittelt REMID Interviewpartner oder gibt Expertisen zu Religionsfragen, nicht nur in statistischer Hinsicht. Das seit 2017 neue Projekt „Religionswissenschaftler im Beruf“ soll darüberhinaus die außerakademischen Potenziale bündeln, vernetzen und ihre Bedürfnisse abfragen.

Was habe ich als Nicht-Religionswissenschaftler_in noch davon, REMID zu unterstützen?

Sie können sowohl als alternativreligiöse(r) oder -spirituelle(r) Angehörige(r) einer Minderheit genauso wie als nicht-religiöse(r) Konfessionsfreie(r) oder auch als Angehörige(r) einer etablierten Religion, die oder der aber eine Professionalisierung des Feldes bevorzugt, von der REMID-Arbeit profitieren, insofern wir davon ausgehen, dass religionswissenschaftliche Expertise ein tolerantes Miteinander befördern kann.

Wie kann REMID mir helfen? Ich suche Experten, möchte eine Fortbildung oder ein Gutachten?

REMID verfügt über ein Netzwerk an Experten aus der Religionswissenschaft, sowohl an den Universitäten wie außerhalb. Gerne vermitteln wir Experten für Vorträge, Podiumsdiskussionen, Workshops, Fortbildungen oder Gutachten. Sie können unsere „Schatzkisten“ einschließlich religionspädagogischer Begleitmaterialien ausleihen oder unser Archiv einsehen (siehe auch unsere Rubkrik „Angebote“). Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle.

Wie erreiche ich REMID?

Da aktuell keine regelmäßige Geschäftsstellenbesetzung garantiert werden kann, können Sie entweder die Handynummer anrufen, welche auf unserem Anrufbeantworter (+49 6421 64270) genannt wird, oder uns eine Email an info [at] remid [punkt] de schicken. Wollen Sie eine(n) bestimmte(n) Mitarbeiter(in) erreichen, kombinieren Sie den Nachnamen und remid [punkt] de. Da allerdings nahezu alle REMID-Aktiven einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, können Anfragen nicht immer unmittelbar bearbeitet werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Woher kommen die REMID-Mitglieder?

Ein Großteil der REMID-Mitglieder kommt aus dem deutschsprachigen Raum, insbesondere Deutschland und Schweiz (mehr als zehn). Vereinzelt leben Mitglieder auch in den USA, England oder Norwegen. Bis auf wenige Ausnahmen haben alle einen Hochschulabschluss und haben Religionswissenschaft oder Vergleichbares studiert. Etwa die Hälfte ist universitär beschäftigt.

Hilft REMID „Aussteigern“?

Der Begriff „Aussteiger“ hat einen negativen Beigeschmack. Die meisten Anhänger_innen neuer religiöser Bewegungen oder alternativer Spiritualität konnten mit der neureligiösen Orientierung ihr Befinden verbessern. Die meisten Anfragen zum Thema „Ausstieg“ erhält REMID nicht von den Betroffenen selbst, sondern von Angehörigen und Bekannten. Im Einzelfall haben wir Menschen in einer Sinnkrise über Kontakte in der Religionspsychologie auch an Therapeut_innen vermittelt, die religionssensibel sind, ohne theologisch/religiös zu bevormunden. REMID kritisiert die Praxis, sogenannte „Aussteiger“ z.B. wieder in ‚gemäßigte‘ Formen des Christentums rückzuführen, insofern dabei Religion und Wissenschaft auf problematische Weise verquickt werden. Außerdem kritisiert REMID antipluralistische Positionen, welche religiöse Innovation grundsätzlich psychopathologisieren.

Erhält REMID öffentliche Gelder?

REMID finanziert sich nahezu ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Mieteinahmen, Spenden und die Einnahmen aus dem Verkauf von Publikationen und Diagrammen. In der Geschichte von REMID hat es allerdings auch Projekte mit tarifgebundenen Mitarbeiter_innenstellen gegeben. Aktuell ist ein Großteil der REMID-Aktivitäten ehrenamtlich. REMID hat in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelt Zuschüsse vom Bundesland oder der Stadt Marburg erhalten, Projekte in der Vergangenheit waren anteilig aus Bundesmitteln finanziert worden. Es gibt aber bislang keine regelmäßigen öffentlichen Gelder für REMID.

Nimmt REMID Spendengelder von „Sekten“ an?

REMID verwendet nicht den Sektenbegriff. Trotzdem wurde vor 15 Jahren eine Spende von Scientology abgelehnt. In einem völlig anderen Kontext wurde 2017 eine Spende abgelehnt, die auf wissenschaftlich problematische Weise mit der Teilnahme an einer Studie verknüpft war. Fast alle Spender_innen der letzten Jahre sind als Religionswissenschaftler_innen bekannt. In unserer Rubrik „Tätigkeitsberichte“ lassen sich die Berichte unserer Kassenwarte für die letzten Jahre nachvollziehen.

Beschäftigt sich REMID mit der Wirksamkeit alternativer Medizin?

Religionswissenschaftler_innen haben in den seltensten Fällen ein zweites naturwissenschaftliches Standbein. REMID hat bislang keine eigenen z.B. medizinischen Studien durchgeführt. Bezüglich der Wirksamkeit einer alternativen Medizin oder Therapiemethode kann REMID also keine Aussagen treffen. Dennoch fallen diverse hier angedachten Themen auch in das Forschungsfeld von Religionswissenschaftler_innen, insofern sie Bezüge zu religiösen oder religionsähnlichen Traditionen aufweisen oder zur Praxis einer Neuen Religiösen Bewegung gehören. Dennoch kann auch mit geisteswissenschaftlichen Methoden kritisch auf den Diskurs um alternative Medizin eingegangen werden, insofern zwar nicht die Anerkennung von etwas als Medizin Konsens im Verein werden kann, aber doch die Anerkennung von etwas als Religion, so dass die Anhänger_innen also zumindest das Recht der Religions- und Weltanschauungsfreiheit genießen dürfen sollten. Wie weitreichend dieses wiederum auszulegen sei, darüber gibt es keine einheitliche Haltung im Verein.

Was versteht REMID unter Religionsfreiheit?

Schon vor zwanzig Jahren wurde REMID-Veröffentlichungen der Vorwurf gemacht, kulturrelativistisch zu sein. Dabei gibt es höchstens zwei Aspekte, welche die Art und Weise im Verein REMID über Religionsfreiheit zu sprechen, von anderen Perspektiven unterscheiden. Der erste Aspekt hat sozialwissenschaftlich quantitative (unsere Statistik) sowie qualitative (sogenannte „Lokale Religionsforschung“) Studien zur Motivation. Demnach wird neben dem rechtlich-formalen Anspruch auf freie Religionsausübung der „gelebten“ religiösen Vielfalt eine Relevanz beigemessen für die Frage nach dem Status der Religionsfreiheit in entsprechender Region. Insofern wäre auch eine grundsätzlich antipluralistische Einstellung nicht so recht mit einer REMID-Mitgliedschaft vereinbar. Der zweite Aspekt hängt mit der Kritik von Essenzialisierungen zusammen, denn die aus der Gründungsskontroverse der Religionswissenschaft fortgesetzte Kritik an theologisch aufgeladenen „Wesen der Religion“ betrifft eben auch den Begriff der Religionsfreiheit selbst. Das kann bedeuten, sogenannte „Burka-Verbote“ oder Gesetze gegen „mentale Manipulation“ durch Neue Religiöse Bewegungen als Religionsfreiheit betreffend einzustufen. Das kann auch bedeuten, Gesetze gegen sogenannte „Blasphemie“ oder die juristische Legitimation von religiös motivierter Diskriminierung z.B. nicht-heteronormistisch lebender Menschen im Namen der Religionsfreiheit als gegen eine religionswissenschaftlich reflektierte Bestimmung des Begriffes von Religions- und Weltanschauungsfreiheit verstoßend einzustufen. Es bedeutet nicht, abzuerkennen, dass Rechte immer in anderen Rechten Grenzen haben (s.a. unsere Themenseite Religionsfreiheit).

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